Diese Dokumentation fasst die Ergebnisse des Seminars Automate Everything zusammen. Das Seminar wurde im Sommersemester 2016 von Sebastian Schmieg an der Fachhochschule Potsdam unterrichtet. Die Projekte entstanden, bis auf das letzte, im wöchentlichen Rhythmus.

HA01: Automate Writing

Bubba Gump Corporation

Der Twitterbot Bubba Gump Corp zählt, ähnlich wie die Figur Benjamin Buford Bubba Blue aus dem Film Forrest Gump auf, welche Gerichte sich mit Shrimps zubereiten lassen. »Like I was saying, shrimp is the food of decision.« Die meisten Interaktionen haben die Tweets mit (anderen) Foodbloggern(/bots).

HA02: Automate Chance

Ego-Disc

In dieser Arbeit habe ich ein Mobiltelefon an eine Frisbee geklebt und Videos aus der Perspektive der Frisbee aufgenommen. Zunächst war das Ziel dieses Projektes Zufallsergebnisse zu generieren. Dazu habe ich die Scheibe über verschiedene Gegenstände (Blumenbeete, Bäume, Menschen) geworfen und habe versucht mit Licht und Strukturen zu experimentieren.

Während es anfangs bewusst um Zufallsergebnisse ging, habe ich später außerhalb des Kurses meine Frisbee-Video-Konstruktion optimiert und mit einer richtigen Videokamera, einem Fish-Eye-Objektiv (Türspion) und einem Kugellager ausgestattet, so dass man damit tatsächlich Filme machen kann, auf denen man mehr erkennt als Farbwirbel.

HA03: Automate Humans

Potsdam Photo Competition

Bei diesem Projekt war mein Ziel Unbekannte eine Fotoserie anfertigen zu lassen und damit die Arbeit komplett outzusourcen. Um Bilder zu bekommen rief ich einen fiktiven Fotowettbewerb aus, druckte und verklebte Plakate an den Eingänge zum Park Sanssouci in Potsdam.

Für den Spaß habe ich mir extra eine neue Nummer mit Whatsapp besorgt. Leider waren die Ergebnisse enttäuschend. Ich hatte mir vorstellt, dass das verschicken eines Bildes per Whatsapp eine kleine bis gar keine Barriere darstellt. Vielleicht aber auch ein gutes Zeichen, dass da nur vier Einsendungen kamen.

HA04: Automate Stealing

1001fonts

Diese Aufgabe habe ich im Team gemeinsam mit Carlotta Thomas, Jakob Werner und Thea Sparmeier bearbeitet.

Der Plan war mit dem WebScraper gezielt Vorschaubilder von Fonts zu klauen und diese zu vergleichen. Bei 1001fonts.com geht das am besten und so haben wir nach verschiedenen Suchbegriffen sortiert Schriften geklaut und auf Plakaten miteinander verglichen. (Zoomen lohnt sich)

HA05: Automate Automation

Tony Hawk's Pro Illustrator

Dieses Projekt spielt mit den Grenzen von Gestaltungs­tools und gibt dem Editor eine neue Funktion. Als vor 16 Jahren Tony Hawk's Pro Skater 2 rauskam, war das für mich eine große Sache. Allerdings hatte ich nie viel Geduld für den (großartigen) Skatepark-Editor. Wahrscheinlich war ich zu jung, um das volle Potential zu erkennen.

Abschlussprojekt: Automate Future

The quick automated fox

Nach einer intensiven Auseinandersetzung mit dem Thema Automatisierung aus verschiedenen Perspektiven sollten die letzten Wochen des Semesters für ein frei gewähltes Abschlussprojekt genutzt werden. Als Kommunikations­designer und Müßig­gänger hat mich von Anfang an die Frage interessiert, inwiefern sich Gestaltung automatisieren lässt. Kann die Maschine beim Gestalten unterstützen, womöglich den gesamten kreativen Prozess übernehmen. Ersteres gibt es schon seit dem Einzug des Computers im graphischem Gewerbe. Seit mit Software gestaltet wird, gibt es Voreinstellungen, Templates und Scripte. Haben diese Hilfs­mittel dazu geführt, dass die Ergbnisse alle gleich aussehen? Welche Rolle nimmt der Mensch bei einem durch die Maschine unterstützten Design-Prozess ein? Und die viel spannendere Frage: Kann man komplett auf den Menschen verzichten?

Um diesen Fragen nachzugehen, nutzte ich ein Schrift­entwicklungs-Tool namens Prototypo. Das besondere an dem Tool ist, dass Schriften nicht wie üblich, als Pfade gezeichnet, sondern mit Hilfe einer Anzahl von Reglern für verschiedene Eigenschaften gestaltet werden. Beim Einstellen eines Para­meters wird der komplette Zeichensatz automatisch bearbeitet. So entsteht mit wenig Arbeit eine Schrift.

Den relativ geringen Arbeits­aufwand in Form von Mausklicks und Tastatureingaben, habe ich mit dem Apple Automator automatisiert. Mit einigen Anpassungen ließ sich der Arbeitablauf aufzeichnen und mit Zufallswerten abspielen.

Zur Ausstellung wurde dieser Aufbau um einen Drucker und eine InDesign-Vorlage ergänzt. Die frisch gestaltete Schrift wurde herruntergeladen, installiert, auf einem Muster­plakat verwendet und anschließend gedruckt. Hier eine Auswahl der dabei entstandenen Schriften.

Automate Everything FH Potsdam 2016